Station 8: Kraftwerk Heegermühle

Historische Aufnahme des Kraftwerks mit seiner imposanten Schmuckfassade.

Zu den eindrucksvollsten Industriedenkmalen des Finowtals zählt das 1909 erbaute „Märkische Elektricitätswerk“ (MEW). Die Pläne für diese Anlage lieferte der Ingenieur Georg Klingenberg, der während seiner Tätigkeit an der Königlichen Technischen Hochschule zu Berlin eine neue Theorie des Kraftwerkbaus begründete. Die „Überlandzentrale“, die weite Teile der nördlichen Provinz Brandenburg mit Strom versorgte, galt lange Zeit als Musteranlage und wurde zum Vorbild für zahlreiche Kraftwerke im In- und Ausland.

Auch in künstlerischer Hinsicht war das MEW ein fortschrittlicher Bau. Klingenberg kritisierte den Eklektizismus der Kaiserzeit, der nicht nur die meisten Wohn- und Geschäftshäuser prägte, sondern auch technische Anlagen hinter historisierendem Fassadenschmuck verschwinden ließ: „Die architektonische Ausgestaltung elektrischer Zentralen hat sich vielfach in falschen Bahnen bewegt, und die selbstverständliche Forderung, daß die Formengebung dem Zwecke des Gebäudes Rechnung tragen muß, ist bisher selten erfüllt worden.“
Die vom Architekt Werner Issel sachlich gestalteten, mit roten Ziegeln verblendeten Fassaden und die lichtdurchfluteten Innenräume machen das Kraftwerk zu einem hervorragenden Beispiel der Reformbestrebungen in der Baukunst am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die repräsentative Schaufassade ist dem Kanal zugewandt. Die Anordnung der einzelnen Bauteile – rechts das ursprünglich von mehreren Schornsteinen überragte Kesselhaus, in der Mitte die mit Dampfturbinen bestückte Maschinenhalle, links die Schaltzentralle – spiegelt die inneren Funktionsabläufe.

Die Kraftwerksfassade heute ohne Schornsteine.